Thomas Fiebig
05.06.25 – 08.08.25
Vernissage 05.06.25 19 Uhr
Seit ca. zwei Dekaden geistert das Adjektiv “bunt” im öffentlichen und veröffentlichten Diskurs umher. Wer “bunt” in die Suchmaschine tippt, findet weniger Bastelanleitungen zum Kindergeburtstag für Dreijährige, sondern Bezüge zum politischen und sozialen Gemeinwesen. Buntheit wird darin zum Imperativ für ein undefiniertes Multikulti-Irgendwas, das in die Zukunft weisen soll. Dabei dient es vor allem als Identifikationsmuster und der Abgrenzung von anderen politischen Mentalitäten.
Das allgemein vorhandene Bedürfnis nach sozialer Anpassung steht dabei im Widerspruch zur anvisierten Buntheit, sprich Einmaligkeit des Individuums. Zur Kompensation dienen Buntheitssuroggate, die für Unangepasstheit stehen, aber in der massenweisen Verwendung einen grotesken Widerspruch zur Intention darstellt.
Der unpolitisch, sich links gebende Freak wird zur gesellschaftlichen Leitfigur.
In der Ausstellung werden Gemälde und Zeichnungen gezeigt, die als thematische Serie in den letzten Jahren entstanden sind.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog und ausgewählte Motive als limitierte Feinartprints.
Eine Bildschirmversion des Katalogs können Sie hier herunterladen.
Der angemessene Ausdruck die heutige Welt wiederzuspiegeln ist die Collage.
Fragmente prägen die Szenerie. Nichts scheint zusammen zu passen und doch entsteht ein Bild, das wir Wirklichkeit nennen. Die Collage ist die ideale Form Zufälligkeiten, mediale Versatzstücke, das Schöne und das Hässliche in einem gefälligem Quadrat zu ordnen.
Wir haben uns an die Dissonanzen der Außenwelt gewöhnt und erleben Heterogenität, Verstädterung und die Industrialisierung von Landschaft als normal. Künstliche Materialien in Fake-Optik werden nicht als Betrug wahrgenommen. Das sinnlose Infotheater auf den Smartphones wird als Realität verstanden.
Der Mensch lagert all dies ein, wird zur Halde von Irgendwas, ordnet so weit es geht und kreiert seine eigene Collage, innerlich und äußerlich.
Neu ist dies alles nicht. Schon vor hundert Jahren geisterten die kaputten Gestalten der Moderne durch die Bildwelten von Otto Dix und George Grosz. Was sich verändert hat, ist das Tempo, die Schnelligkeit des Verbrauchs, die Unausweichlichkeit medialer Dauerbeschallung und die Vorstellung seiner eigenen Nichtigkeit im digitalen Nebel zu entkommen.
Die Selbstdarstellung wir dabei zur gesellschaftlichen Pflicht, der Freak zur Leitfigur. Vielfalt und Buntheit propagieren Individualität und meinen Zersetzung gemeinschaftlicher Restbestände. Gern wird in diesem Zusammenhang von einer Atomisierung der Gesellschaft gesprochen, was nur teilweise richtig ist. Der Mensch bleibt ein soziales Wesen und signalisiert seine "Einzigartigkeit" lediglich durch Massenkonsum, Moden oder den Beitritt zu Subkulturen. Parallelwelten in jeglicher Form, sich ständig neu ausdifferenzierend, sind die Inseln und Identifikationsanker dieser Atome.
So sind die Ausprägungen der sogenannten Vielfalt dann auch nur gruppenbezogene Stereotype mit ihren Codes und Unterwerfungsmustern. Ob Punk, Gothik, Antifa, Rocker oder Omas gegen Rechts, die Herde verkauft sich als Vielfaltsinsel und verspricht ihren Mitgliedern die Einzigartigkeit im Gleichschritt.
Das Überzeichnete in vielen meiner Werke ist für mich in diesem Sinne eine Form des Realismus. Karikatur und Groteske bilden ab und schaffen Abstand, das absurde Theater etwas Abseits auf der Loge zu genießen.
Thomas Fiebig
Bitte auf Vorschaubilder klicken für Vollansicht.
Raumansichten












Werke

















Thomas Fiebig
lebt in Leipzig
Einzelausstellungen (2001-2025)
2025 „Buntmenschen“, Zentrale Randerscheinung, Leipzig, (D)
2015 „Hamburger“, Galleria Bianca Maria Rizzi & Matthias Ritter, Milano (I)
2014 „Our happy home“,Galerie Speerstra, Bursins (CH)
2013 Kunstverein Ahaus (D) Villa de Bank, Enschede (NL)
Arte Cremona, Cremona (I)
2012 „La grande Bouffe“ Addict Galerie, Paris (F)
Art Verona, Galleria Bianca Maria Rizzi & Matthias Ritter, Milano (I)
2010 „Sieben Maler“ Kunstverein Ellwangen (D) (group)
2009 „Yeah, the future is the future“,Galerie Speerstra, Bursins (CH)
2008 „Neue Ordnung“, Galerie Tieck, Berlin (D)
2007 „Menschen, Tiere, Sensationen“, Oberbergischer Kunstverein, Gummersbach (D)
„temporal forms of timelessness“, Gallery Speerstra, Bursin (CH)
2005 Kunstwerk, Köln (D)
„Where is the joke“, Galerie artlab, Köln (D)
2004 „lalalalalilala“, „la Tour“, Paris (F)
2003 „La merde et nous“ (mit Aurelie de la Cadiere) Electron libre, Paris (F)
2002 Galerie W, Paris (F), Brüssel (B)
2001 Galerie W, Paris (F)

Leave a Reply